Veröffentlichung: 04. Mai 2026 Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2026

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TPE im Mehrkomponentenspritzguss


Thomas Renner, Head of Application Engineering, beschreibt die Vorteile der Verarbeitung von Thermoplastischen Elastomeren im Mehrkomponentenspritzguss. Welche Faktoren beeinflussen die Haftung der unterschiedlichen Materialien und wie wird der Haftverbund bewertet? Lesen Sie hier mehr über die Möglichkeiten des 2-Komponenten-Spritzgusses.

TPE im Mehrkomponentenspritzguss


Der Mehrkomponentenspritzguss hat sich zu einer Schlüsseltechnologie in der Herstellung funktionaler und designorientierter Kunststoffbauteile entwickelt. Besonders Thermoplastische Elastomere (TPE) eröffnen hier vielfältige Möglichkeiten – von Dichtfunktionen bis hin zu ergonomischen Oberflächen. Doch was macht diese Werkstoffklasse so besonders im 2-Komponenten-Spritzguss?

Thermoplastische Elastomere vereinen die Eigenschaften klassischer Elastomere mit der Verarbeitbarkeit von Thermoplasten. Sie lassen sich schmelzen, formen und wiederverwerten – ein klarer Vorteil gegenüber vernetzten Materialien wie Gummi oder Silikon. Die Klassifizierung der TPE erfolgt nach ISO 18064. Innerhalb dieser Gruppen gelten TPS (Thermoplastische Styrol-Blockcopolymere) als besonders variantenreich – sowohl in Bezug auf mechanische Eigenschaften als auch auf Haftung. Mehr zur Klassifizierung lesen Sie in unserem vergangenen Artikel.
 

Mehrkomponentenanwendungen mit TPE 

Beim 2-Komponenten-Spritzguss werden mehrere Materialien in einem Prozess kombiniert – typischerweise erfolgt eine Hart-/Weichkombination. Thermoplastische Elastomere übernehmen dabei häufig die elastische Funktion wie dichten oder dämpfen. Mögliche Anwendungen sind funktionelle Dichtungen in Gehäusen, Griffumspritzungen bei Werkzeugen oder medizinischen Geräten, oder auch elastische Bauteile wie bei Druckknöpfen. Der große Vorteil: Der Prozess ist automatisiert, effizient und ersetzt zunehmend klassische Lösungen mit eingelegten, vernetzten Materialien.

Haftung als Schlüssel zum Erfolg

Ein zentrales Thema im Mehrkomponentenspritzguss ist die Haftung zwischen TPE und der Hartkomponente. Moderne TPS-Compounds ermöglichen heute Verbindungen zu einer Vielzahl von Materialien. Je nach Rezeptur können TPE-Compounds eine Verbindung zu Polyamiden (PA 6, PA 6.6, PA 12 (mit oder ohne Glasfaser) oder zu PC, ABS sowie deren Kombination eingehen. Speziell entwickelte Materialien ermöglichen sogar einen Verbund zu POM, PBT, PARA oder EPDM. Polypropylen-TPE-Kombinationen gelten als Standard. 

Welche Faktoren wirken sich auf die Haftung aus?


Für einen stabilen Haftverbund im Mehrkomponentenspritzguss ist das präzise Zusammenspiel mehrerer Einflussfaktoren entscheidend. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Materialkompatibilität: Das eingesetzte TPE muss gezielt auf die jeweilige Hartkomponente abgestimmt sein. Hierfür werden spezifische Materialreihen entwickelt, die auf definierte Substrate ausgelegt sind und sich in der Praxis bewährt haben. Ebenso wichtig ist die Temperaturführung im Prozess. Die Oberfläche der Hartkomponente sollte ausreichend warm sein, damit die Polymerketten mobil bleiben und eine gute Anbindung ermöglichen. Gleichzeitig muss die Schmelzetemperatur des TPE sorgfältig eingestellt werden – zu hohe Temperaturen können zu Verzug führen, während zu niedrige Temperaturen die Benetzung und damit die Haftung verschlechtern.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Oberflächenqualität der zu überspritzenden Komponente. Diese sollte frei von Trennmittelrückständen und Additivmigration sein, um eine zuverlässige Verbindung zu gewährleisten. Leicht strukturierte Oberflächen können die mechanische Haftung zusätzlich unterstützen, während hochglänzende Oberflächen – abhängig vom Materialsystem – eher nachteilig wirken können. Schließlich beeinflussen auch das Bauteildesign und die Werkzeugauslegung maßgeblich die Haftperformance. Aspekte wie Wandstärken und Fließwege müssen kunststoffgerecht ausgelegt sein, der Anspritzpunkt sollte gezielt positioniert werden und eine präzise Temperierung des Werkzeugs ist notwendig, um stabile und reproduzierbare Prozessbedingungen sicherzustellen.

Trend

Mehrkomponentenprozesse wie der 2K-Spritzguss ersetzen zunehmend klassische Lösungen mit manuell eingelegten Dichtungen aus vernetzten Werkstoffen. Der Grund liegt vor allem in der höheren Effizienz und Prozesssicherheit: Nachbearbeitungsschritte entfallen, ebenso wie die aufwendige chemische Vernetzung.

Durch die Integration mehrerer Funktionen in einen automatisierten Prozess lassen sich zudem Zykluszeiten verkürzen. Gleichzeitig bieten thermoplastische Materialien den Vorteil der Wiederverwertbarkeit. Auch gestalterisch eröffnen sich neue Möglichkeiten, da TPE flexibel einfärbbar sind und sich Oberflächen gezielt anpassen lassen. Gerade in sensiblen Bereichen wie der Medizintechnik oder Spielwarenindustrie sind stabile und reproduzierbare Prozesse entscheidend – Anforderungen, die der 2K-Spritzguss zuverlässig erfüllt.

Wie wird die Haftung beurteilt?


Der Schälversuch nach DIN ISO 813-2 dient zur Bestimmung der Haftfestigkeit zwischen einem weichen Werkstoff, wie TPE und einer harten Komponente. Dabei wird ein Verbundprüfkörper hergestellt, bei dem das TPE auf ein Substrat aufgebracht ist. Im Versuch wird das elastische Material unter definierten Bedingungen vom starren Partner abgezogen. Die dabei benötigte Kraft wird kontinuierlich gemessen. Das Ergebnis wird als Schälkraft pro Breite (z. B. N/mm) angegeben und gibt Aufschluss über die Qualität der Haftung. 

Zusätzlich wird das Bruchbild bewertet, um zwischen adhäsivem und kohäsivem Bruch zu unterscheiden.

Fazit

Der Mehrkomponentenspritzguss mit Thermoplastischen Elastomeren ist ein komplexes Zusammenspiel aus Werkstoffchemie, Konstruktion und Verarbeitung. Eine stabile Haftung entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis gezielter Abstimmung aller Einflussgrößen.

Wer frühzeitig in der Designphase die Materialkombination, Geometrie und Prozessparameter berücksichtigt, schafft die Grundlage für langlebige, funktionale und wirtschaftliche Bauteile.

TPE ist damit weit mehr als nur ein „weiches Material“ – es ist ein hochentwickelter Systemwerkstoff für moderne Kunststofflösungen. Welche Erfahrungen haben Sie im Mehrkomponenten-Spritzguss gesammelt? Wir freuen uns auf Fragen und Anmerkungen in den Kommentaren.
 

Autor

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