Veröffentlichung: 02. März 2026

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TPE im Einsatz bei Minusgraden


Wie verhalten sich Thermoplastische Elastomere (TPE) bei Minusgraden? Bis zu welchen Temperaturgrenzen kann die Materialklasse gehen? Und welche Faktoren müssen bei der Materialauswahl beachtet werden? Dies und viel mehr lesen Sie in unserem neuen Blogpost von Christoph Raue und Josef Neuer. 

Thermoplastische Elastomere im Einsatz bei Minusgraden


Niedrige Temperaturen stellen in vielen technischen und alltäglichen Anwendungen eine besondere Herausforderung für Werkstoffe dar. Gerade bei Temperaturen um –20 °C wird häufig erwartet, dass Materialien ihre elastischen Eigenschaften behalten und gleichzeitig zuverlässige Dichtfunktionen erfüllen. 

Diese Herausforderung, und was das für Entwicklung, Konstruktion und Materialauswahl bei Thermoplastischen Elastomeren (TPE) bedeutet, wollen wir heute in unserem Newsletter genauer unter die Lupe nehmen. 

Warum Minusgrade materialwissenschaftlich herausfordernd sind

Physikalisch betrachtet stellen kalte Temperaturen eine besondere Herausforderung dar. Mit sinkender Temperatur nimmt die Beweglichkeit der Polymerketten deutlich ab. Rotationsbewegungen in allen drei Dimensionen werden zunehmend eingeschränkt, bis schließlich der Glasübergangspunkt erreicht ist. Thermoplastische Elastomere auf TPS-Basis bestehen aus Vielphasensystemen unterschiedlicher Polymere und weisen in der Regel Glasübergangstemperaturen unterhalb von –60 °C auf. Dadurch bleiben sie über einen breiten Temperaturbereich hinweg funktionsfähig und zeigen kein sprödes Verhalten, wie es beispielsweise von klassischen Thermoplasten bekannt ist.


Die reine Flexibilität eines Materials reicht jedoch nicht aus, um eine zuverlässige Dichtfunktion bei Minusgraden sicherzustellen. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Effekte: Ein hoher thermischer Ausdehnungs- beziehungsweise Kontraktionskoeffizient beeinflusst das Verhalten im Temperaturwechsel, während gleichzeitig die reduzierte Beweglichkeit die Anpassungsfähigkeit des Werkstoffs einschränkt. Unter mechanischer Belastung kann es zudem zu plastischen Verformungen kommen, die insbesondere im Kältebereich berücksichtigt werden müssen.

Extreme Temperaturen in der Medizintechnik

Auch im medizinischen Umfeld treten Fragestellungen rund um extreme Temperaturen auf. Anwendungen in der Diagnostik können Temperaturen von –80 °C oder sogar –150 °C erfordern. In diesem Bereich verlieren TPE zwar ihre elastische Flexibilität und werden sehr hart, überstehen jedoch kontrollierte Gefrier- und Auftauprozesse ohne Stoßbelastung in der Regel unbeschadet. 

Für viele Anwendungen ist genau diese Kombination aus struktureller Stabilität und Beständigkeit gegenüber Temperaturzyklen entscheidend.

Alltägliche Anwendungen im Consumer- und Wintersportbereich

Im Consumer-Segment begegnen uns Tieftemperaturen immer wieder im Alltag – etwa bei Eiswürfelbehältern. Hier liegt der Fokus weniger auf struktureller Integrität als auf dauerhafter Flexibilität bei bis zu –20 °C, damit sich Eiswürfel auch nach längerer Lagerung problemlos entformen lassen. Während Polypropylen unter diesen Bedingungen zur Versprödung neigt, behalten geeignete TPE oberhalb ihres Glasübergangsverhaltens die notwendige Elastizität.

Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld findet sich im Wintersport. Körpernahe Anwendungen bewegen sich typischerweise im Bereich bis etwa –10 °C, während Ausrüstung und Sportgeräte häufig bis –20 °C ausgelegt sein müssen. Neben Flexibilität spielt hier vor allem die Fähigkeit zur Dämpfung und Stoßabsorption eine zentrale Rolle. Speziell formulierte TPE-Rezepturen können diese Anforderungen erfüllen und tragen damit zur Funktionalität und Sicherheit der Produkte bei.

Definierte Temperatureinsatzbereiche technischer TPS-Compounds

Für viele technische TPS-Compounds werden klar definierte Temperatureinsatzbereiche angegeben. Typische Spannen reichen von etwa –40 °C als untere Grenze bis zu +100 °C auf der oberen Seite. Die Bestimmung der Tieftemperaturgrenze erfolgt üblicherweise über die Ermittlung der Glasübergangstemperatur mittels DSC-Analyse (Dynamische Differenzkalorimetrie). 

Ein Material gilt in diesem Kontext dann als bis –40 °C einsetzbar, wenn sein Glasübergangspunkt unterhalb dieser Schwelle liegt. Diese Betrachtung bildet die Grundlage für eine belastbare Bewertung realer Anwendungen.

Bewährte Lösungen im Bausektor

Auch im Bausektor spielen Eigenschaften bei niedrigen Temperaturen eine entscheidende Rolle. Besonders bei Fensterdichtungen ist die zuverlässige Funktion unter winterlichen Bedingungen ein zentrales Freigabekriterium. 

Langjährig etablierte TPE-Werkstoffe zeigen hier, dass dauerhafte Elastizität, Formstabilität und Beständigkeit gegenüber Temperaturwechseln miteinander vereinbar sind.

Fazit

Tieftemperaturanwendungen verdeutlichen, wie sensibel das Zusammenspiel zwischen Materialstruktur, Temperaturverhalten und realer Beanspruchung ist. Thermoplastische Elastomere bieten hier ein breites technisches Potenzial – von flexiblen Consumer-Anwendungen über robuste Wintersportlösungen bis hin zu stabilen Komponenten in der Medizintechnik und im Bauwesen. 

Entscheidend bleibt jedoch stets die anwendungsspezifische Betrachtung: Erst das Verständnis von Glasübergang, Dichtverhalten und mechanischer Belastbarkeit ermöglicht eine zuverlässige Auslegung für den Einsatz bei Minusgraden.

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